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SILVIO BLATTER

FARBE BEKENNEN

13.APRIL – 22.JUNI 2012

Silvio Blatter - GemäldeOhne Titel, 2010. Oel auf Lwd. 100 x 100cm

Während Silvio Blatter als Schriftsteller den Menschen ins Zentrum stellt, geht es in seiner Malerei vor allem um die Wertigkeit und die Gewichtung der Farben.
Obwohl das Malen für ihn ein sinnliches Erlebnis ist, wird im Umgang mit Farbe nichts dem Zufall überlassen. Selbst die Farbschrumpfung wird bewusst in die Gestaltung einbezogen. Blatter arbeitet  prinzipiell mit Oelfarben, was bei den vielen Schichtungen eine besondere Grundierung der Leinwand erfordert. In der etappenweisen Entstehung der Schichtungen steckt das Geheimnis einer unvergleichlichen Lebendigkeit der Bilder mit einer hintergründigen Intensität. In vollkommenem Gleichgewicht verbindet der Künstler Klang und Rhythmus von Farbe, Fläche und Raum. Die Verdichtung und Vielschichtigkeit des Farbraumes entwickeln ein Fluidum und die Beziehung zwischen den Farben schafft eine subtile koloristische Fülle.

Blatter interessiert aber auch die Materie und die Stofflichkeit der Farbe, die Herkunft und die Verarbeitung der Pigmente und deren Lichtabsorption. Die bewegten Farbspuren, unter denen weitere Farbschichten durchschimmern, lesen sich wie ein fliessendes Element mit fein abgestuften Farbklängen. Ähnlich den verschiedenen Fassungen eines literarischen Textes, setzt er Farbschicht über Farbschicht, trägt sie teilweise wieder ab und an anderer Stelle wieder auf. Es besteht keine prinzipielle Unterscheidung mehr zwischen  Relief und Malerei.

Das von Blatter konsequent gewählte Bildformat des Quadrates erlaubt ihm, die Gestaltung auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf seine “inneren Farbräume und Farbströme”, wie er selbst sagt. Aus der Wechselwirkung von Dramatik und Ruhe, pastos und glatt entfaltet seine Malerei in intensiv  leuchtender Farbigkeit ihren eigentümlichen Rhythmus.

Die traditionelle Kunst umwertend  und radikal im Sinne des Prinzips l’art pour l’art überarbeitet Blatter auch mal bereits abgeschlossene Werke mit dem Ziel, diese von allen gedanklichen Inhaltsresten und deren Wirkung auf den Betrachter zu befreien.

Die Bedeutung seiner Malerei soll sich dem Auge des Betrachters durch die sinnliche Unmittelbarkeit der Farbinszenierungen erschliessen.

SILVIO BLATTER

einer der bekanntesten Schriftsteller der Schweiz und auch ein erfolgreicher Maler, ist eine echte Doppelbegabung.

Malen und Schreiben sind für ihn gleichberechtigte Welten, stehen inhaltlich jedoch in keinem Zusammenhang.

1946 geboren in Bremgarten, studiert er in Zürich Germanistik und arbeitet als Lehrer und Hörspielregisseur. Nach den Stationen Amsterdam, Husum, St.Louis und San Diego lebt er heute in Zürich und München. Bekannt wurde er durch seine Freiamt Trilogie, bestehend aus den Romanen  Zunehmendes Heimweh, Kein schöner Land und Das sanfte Gesetz. Nach vielen weiteren Romanen erschienen 2001 Die Glückszahl, 2004 Zwölf Sekunden Stille, 2006 Eine unerledigte Geschichte und  2008 Zwei Affen, ein grosser Roman, in dem eine Frau, ein Mann und Pieter Bruegels Gemälde Zwei Affen die Hauptrolle spielen.

In den neunziger Jahren widmet sich Silvio Blatter überwiegend der Malerei. Seit dem Jahr 2000 sind Schreiben und Malen wieder gleich wichtig für ihn.

Als Autor wurde Silvio Blatter ausgezeichnet mit dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, dem Preis der Neuen Literarischen Gesellschaft Hamburg, mit kulturellen Auszeichnungen der Stadt und des Kantons Zürich und des Kantons Aargau sowie dem Kunstpreis Zollikon.

Seit 1992 werden seine Gemälde regelmässig in Einzel- und Gruppen Ausstellungen in Deutschland und in der Schweiz gezeigt, bei der Galerie Annamarie M. Andersen in Zürich als Einzelausstellung das erste Mal im Jahr 2009.

Gemälde von Silvio Blatter sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen in der Schweiz und in Deutschland vertreten.